Ein Stück Rumgeschichte
Da ich nun die meisten Navy Rums probiert habe ist es an der Zeit den original Navy Rum zu verkosten. Ich möchte noch daran erinnern, dass Charles Tobias von Pussers Rum die Rechte an dem original Blend der britischen Royal Navy 1980 erworben hat, da dies im Fazit eine Rolle spielt.
Ich weiß aus Matrosenberichten, dass dieser Rum dunkel und erdig schmecken soll. Ich erwarte einen Rum in der Art von Black Tot 50th mit mehr Komplexität und vielleicht mit dreckigen Noten eines Caronis.
Lasst uns sehen, was wir hier haben.
Geruch: Ein sehr dunkler Geruch entweicht dem Glas, der mich zum Teil an Pussers Gunpowder Proof aber auch etwas an Black Tot 50 erinnert. Ich nehmen zuerst Melasse, viel Lakritze und gebrannten Zucker wahr. Der Geruch wirkt abgestanden, da ist noch kalter Kaffee, leicht medizinische bzw. schwere Note (manche Desinfektionsmittel riechen danach, erinnert mit an Schweröl/Erdöl) und geräuchertes Holz mit einem Einschlag an Holzlack. Man riecht, dass der Rum hochprozentig und erdig ist. Neben der leicht medizinischen Note ist eine fruchtige Note von Trockenfrüchten, speziell Blaubeere wahrnehmbar. Die Frucht wirkt in der Komposition überreif oder verfault.
Ich habe etwas ähnliches von diesem Rum erwartet, in der Hinsicht hat er meine Erwartung erfüllt. Dieses abgestandene und dunkle Aroma wirkt jedoch überlagert auf mich. Wäre das ein moderner Pussers Blend, hätte ich auf einige Fehlnoten hingewiesen.
Geschmack: Der Geschmack startet leicht süß mit gebranntem Zucker, etwas Melasse und Lakritze. Er hat sehr dunkle Aromen, wirkt erdig und etwas medizinisch (das Schweröl ist wieder dabei). Tannine mit leichter Bitterkeit übernehmen den Geschmack, kalter abgestandener Schwarztee und Eiche kommen auf. Der Rum nimmt schnell an Schärfe zu und bringt altes, feuchtes Holz hervor. Er schmeckt in der Mitte erdig (alte Fassaromen), im Hintergrund sind leicht Trockenfrüchte mit Blaubeeren zu vernehmen. Der Abgang ist scharf und lang mit Holz, Tanninen und erdigen Fassnoten, leichte Süße von gebranntem Zucker. Im Hintergrund wieder Blaubeeren.
Nachgeschmack: Melasse, Lakritze, medizinische Note, Trockenfrucht mit Blaubeeren
Fazit: Der Rum wirkt deutlich überlagert oder abgestanden. Der Geschmack bleibt hinter dem Geruch zurück.
Lakritze und Melasse sowie Blaubeeren bilden die wesentlichen Noten seines Charakters. Ich schätze die Früchte waren früher präsenter. Wahrscheinlich hat er vor 50 Jahren etwas frischer und weniger abgestanden geschmeckt. Jedenfalls hat er deutliche Parallelen mit Pussers Rum, der bis heute sein Erbe weiterleben lässt. Sowohl mit der alten Version des 150 proof, die eher medizinisch war, als auch mit der aktuellen Guyana Version, die mehr melasselastig ist.
Im Prinzip bildet der Black Tot 50th die beste Repräsentation des Last Consignments. Ich habe aus ihm einen frischeren Tot nach Art des Last Consignments gemischt mit mehr Melasse und weniger Fehlnoten und kann nun nachvollziehen was die Matrosen daran gut fanden. Es war eine Art von Cola in Rumform.
Dunkle, erdig fruchtige Geschmacksnoten waren vermutlich in den 70er Jahren weniger häufig anzutreffen. Wir kennen solche Geschmacksnoten von Pepsi oder Coca Cola. Deswegen war früher solch ein Geschmack vermutlich besonders herausstechend.
Er konnte gleichzeitig die ungeübten Gaumen abschrecken und den geübten schmeicheln, was bestimmt für einige Lacher bei den alten Matrosen gesorgt hat, wenn sie die Neuankömmlinge beim Trinken der ersten Ration beobachtet haben.
So sehr ich den Black Tot 50th liebe und den Navy Rum würdige, so kann ich den Last Consignment nicht mit mehr als 83 Punkten bewerten. Er hat deutliche Anzeichen von Überlagerung und ebenfalls sehr deutliche Fehlnoten. Ich hoffe es reizt euch trotzdem dieses Stück Geschichte zu probieren und diesen Rum zu würdigen.
Gesamtwertung: 83 Punkte
Süße: 1.5
Frucht: 2/5
Würze: 3.5/5
Komplexität: 2.5/5
PL (700€): 2/5 (hier muss ich einen geschichtlichen Aspekt berücksichtigen)